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Praktikumsberichte

Mein Einblick in den Alltag von Andrej Hunko, MdB

Von Franziska Fink, Praktikantin

Montag, der 10.10.2016

Ich hatte keine Ahnung, was mich im Büro von Andrej erwarten würde, als ich am Besuchereingang darauf wartete, abgeholt zu werden. Das sollte sich ändern, als Anna, die Büroleiterin, kam und mich ins Büro mitnahm. Auf dem Weg dorthin, bekam ich erstmal eine Mini-Führung durch die Anlage, welche sich als sehr verwirrend herausstellte, wenn man neu ist. Das sollte mir noch oft bewusst werden, wenn ich mich mal wieder darin verlaufen hatte … 

Im Büro dann bekam ich erst mal einen Überblick, wie der Arbeits- und Alltag eines Bundestagsabgeordneten aussieht. Anna zeigte mir den Kalender von Andrej, welcher zum Bersten vollgepackt war. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich gerade in Straßburg, wo er allerlei Termine wahrzunehmen hatte: Von parlamentarischen Ausschüssen über Parlamentssitzungen bis hin zu Treffen mit z.B. Friedensaktivisten. Ich sah auch, wie so ein klassisches Büro aufgebaut ist. Es besteht aus drei Räumen: Ein Büro für den Abgeordneten, eines für den/die Büroleiter/in, mit Praktikantenarbeitsplatz und ein Raum für die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen.

Ich hatte einen eigenen Arbeitsplatz mit Computer und E-Mail Account, an den Anna mir dann auch erste Aufgaben schickte. Ich merkte schnell, dass dies nicht eines dieser Praktika wird, bei denen man Aktenschränke sortiert und Kaffee kocht. Selbst ich, als Schülerpraktikantin, welche nur zwei Wochen da war, bekam sinnvolle und auch wichtige Aufgaben zugeteilt. So zum Beispiel sollte ich die deutsche Delegation in Straßburg anrufen und abklären, wo sich Andrej mit jungen „Peacebuilders“ aus den Niederlanden treffen könne. Natürlich erhielt ich auch kleinere Aufgaben wie Post holen, lesen, sortieren und weiterleiten.

Dienstag, der 11.10.2016

Bereits an meinem zweiten Arbeitstag wurde ich mit einem etwas größeren Projekt betraut. Es ging darum, sich in Materialen zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 einzulesen, einen Überblick zu bekommen und die markanten Stellen, welche wichtig sind für Andrejs Wahlkreis in Aachen, herauszufinden und an Anna zurückzumelden. Dann haben wir einen Brief verfasst an die zuständige MdB, damit diese es in den Verkehrsausschuss trägt.

Nach dem Mittagessen konnte ich dann bei einem Meeting mit einer Filmemacherin dabei sein, welche Clips mit und für Andrej produzieren soll. Es war auch meine Aufgabe, sie vom Besuchereingang abzuholen und ich war ihr sehr dankbar, dass sie Nachsehen mit mir hatte, als wir uns etwas verlaufen hatten …

Mittwoch, der 12.10.2016

Was super ist, in dem Büro von Andrej, ist, dass einem als Praktikanten sehr flexible Arbeitszeiten zustehen. Wenn man auf seine 30 Stunden in der Woche kommt, kann man sich die Arbeitszeiten mehr oder weniger selbst einteilen. So konnte ich zum Beispiel sagen, dass ich gegen 10:00 Uhr kommen würde und bis 17:00 Uhr bleibe oder dass ich um 08:00 Uhr komme und schon um 15:00 Uhr Feierabend mache. Am Mittwoch habe ich um 10:00 Uhr angefangen. Gegen 11:30 Uhr dann hatten sich Besucher/innen aus dem Wahlkreis von Andrej angemeldet, welche gerade in Berlin waren und gerne eine kleine Führung im Bundestag bekommen wollten. Normalerweise hätte das Büro das nicht bewerkstelligen können, aber Anna hatte größtes Vertrauen in mich und fragte, ob ich nicht Lust dazu hätte. Ich war mir etwas unsicher, ob ich das hinkriegen würde (an meinem dritten Arbeitstag, wohlgemerkt!), aber sagte zu. Der Bundestag ist mit seinen vielen Häusern und Büros sowie dem Reichstag ein beeindruckendes Bauwerk, mit dessen Erkundung und Durchlaufen man ganze Tage zubringen könnte. Man läuft nicht nur durch ein gigantisches Konstrukt aus verschlossenen Bürotüren, überall haben sich die Architekten und Künstler, die daran mitgewirkt haben, etwas überlegt. Daher machte es mir auch großen Spaß, den Gästen, das Bisschen, was ich schon darüber gelernt hatte, zu präsentieren. Dementsprechend war ich auch überrascht von mir, als ich es geschafft hatte, sie, ohne mich zu verlaufen, herumzuführen und zwei Stunden später, wieder heil im Büro anzukommen :) .

Da das BVWP-Projekt noch nicht abgeschlossen war, arbeitete ich bis zum Feierabend noch daran weiter.

Donnerstag, der 13.10.2016

So ein Bundestagsabgeordneter bekommt viel Post. Das merkte ich schnell, wenn ich mich dreimal am Tag auf den Weg zur Poststelle machte, um sie abzuholen. Natürlich sind auch oft Dinge dabei, die nicht relevant für dessen Arbeit sind. Das festzustellen, ist aber gar nicht so einfach. Bewaffnet mit einem Brieföffner machte ich mich daran Einladungen, Abrechnungen, Antwortbriefe und allerlei zu öffnen, durchzulesen und in zwei Stapel einzuteilen: „Kann weg“ und „Könnte wichtig sein“. Doch woher soll ich als Außenstehende nun wissen, ob eine „Einladung zum Parlamentarischen Abend“ der Stiftung Warentest nun in den Mülleimer gehört oder nicht? Zum Glück machte ich nur die Vorarbeit und Anna half dann beim endgültigen Sortieren. Nachdem der erste Briefhaufen des Tages abgearbeitet war, erarbeitete ich mit Anna die Endfassung des Briefes bezüglich des Bundesverkehrswegeplans und schickte ihn an das Wahlkreisbüro von Andrej in Aachen zur Kenntnis.

Dann war auch schon Mittag und wir machten uns, gemeinsam mit Jan, einem der wissenschaftlichen Mitarbeiter, zum Mittagessen in der Kantine des Bundespresseamts auf. Dort sollte ein Treffen stattfinden mit einem ehemaligen Mitarbeiter Andrejs.

Auch bei solchen Dingen wird man als Praktikant/in hier nicht ausgeschlossen. Wann immer ein geschäftliches Mittagessen, ein Meeting oder eine Besprechung stattfand, wurde ich dazu eingeladen, dabei zu sein.

Freitag, der 14.10.2016

Die Zeit hier im Abgeordnetenbüro vergeht schnell. Das wurde mir klar, als ich am Freitag ins Büro kam. Anna hatte mir einige E-Mails bezüglich nächster Woche geschickt. Ich hatte meine Praktikumszeit gut gewählt, denn in dieser ersten Woche habe ich einen guten Überblick über den Büroalltag und die Aufgaben der Mitarbeiter erhalten. Doch in der zweiten Woche war zeitgleich auch Sitzungswoche des Bundestages. Das bedeutete, dass Andrej nach Berlin kam und ich ihn auf Termine begleiten durfte. Volle Action also. In den an mich adressierten Mails waren erste Materialen zu der Sitzungswoche, welche es durchzuarbeiten galt. In einer Mail waren acht verschiedene Dokumente, welche ich ausdruckte und in einer Mappe anlegte. Diese Mappe war nur für Dienstag vorgesehen. Mit einem Blick in Andrejs Kalender, wurde mir bewusst, dass das ein langer Tag für ihn werden würde. Auch Anna wusste das. Auf meine Bemerkung, Andrej müsse ja von einem Termin zum nächsten hetzen, antwortete sie: „Mhm, der hat schon nen krassen Job, oder?“. Das fasste so ziemlich meine Gedanken zusammen!

Lange arbeitete ich an diesem Morgen nicht, denn mir wurde erlaubt, meiner Schwester, die mich in Berlin besuchen gekommen ist, eine kleine Führung durch den Bundestag zu geben. Das war mega nett, denn eine Selbstverständlichkeit ist das nun auch wieder nicht, meines Erachtens jedenfalls. Ich habe also zwei Stunden frei bekommen, um mit ihr Mittagessen zu gehen und ihr ein bisschen meinen Arbeitsplatz zu zeigen. Doch bevor ich mich zu dieser Führung aufmachte, durfte ich noch bei einem Produktionsmeeting mit zwei jungen Filmemachern dabei sein, in welchem es darum ging, Clips zu bestimmtem Themen zu drehen und darüber aufzuklären wie zum Beispiel die Vermögensverteilung zwischen arm und reich ist.

Als ich zurück von meiner etwas längeren Mittagspause kam (), erledigte ich noch ein paar letzte Vorbereitungen für die Sitzungswoche in der darauffolgenden Woche und verabschiedete mich dann auch in den Feierabend und ins Wochenende.

Montag, der 17.10.2016

In der Sitzungswoche des Bundestages herrscht für alle Abgeordneten Anwesenheitspflicht. Andrej jedoch kam erst Montagabends aus Bratislava zurück, wo im Auftrag des EU-Ausschusses Teil einer Delegation der „Artikel 13 Konferenz“ war. Daher ging es für ihn erst am Dienstag in Berlin los.

Am Nachmittag begleitete ich Jan zur AG Europa. Diese ist eine Arbeitsgruppe, in welcher Abgeordnete zusammen mit ihren Mitarbeitern europapolitische Fragen besprechen. 

Dienstag, der 18.10.2016

Heute hatte nicht nur Andrej einen vollen Terminkalender, sondern auch ich. Nun, da er in Berlin war, durfte ich ihn auf die meisten seiner Termine begleiten. Dazu zählte bereits am Dienstagmorgen das Beisein beim Arbeitskreis VI (AK VI). Dieser wurde geleitet von Wolfgang Gehrcke und fand im Clara-Zetkin-Raum statt, dem Fraktionssitzungssaal der LINKEN. Der AK dauerte knapp 3 Stunden und es wurden viele interessante Themen besprochen wie zum Beispiel die politische Lage in Syrien. Es war auch eine Delegation der Gemeinsamen Liste aus Israel da, welche über die politischen Umstände in ihrem Land berichtete und DIE LINKE um Unterstützung bat.

Gegen kurz nach 13:00 Uhr waren wir wieder im Büro und da wir keine Zeit zum Mittagessengehen hatten, besorgte uns Jan Bouletten-Brötchen. Das war eine gute Idee, denn sobald diese verspeist waren, machten sich Jan und ich wieder auf den Weg in den Fraktionssitzungssaal, in welchem um 14:00 Uhr die 70. Fraktionssitzung der LINKEN stattfand. Andrej musste noch einen anderen Termin wahrnehmen und stieß erst später hinzu. Auch die „FraSi“, wie sie hier abgekürzt wird, war interessant anzusehen, denn auch dort wurden entscheidende Themen unter der Leitung von Dietmar Bartsch besprochen. Auf dem Weg dorthin erklärte mir Jan auch nochmal die Bedeutung der AGs und AKs. In einer AG werden zuerst in einer kleineren Gruppe Themen besprochen, diese werden dann oft auch in den Arbeitskreisen weiterdiskutiert. Schließlich steht dann mit der gesamten Fraktion die große Fraktionssitzung an. Diese fand an diesem Dienstag von 14:00 bis 18:00 Uhr statt. Dieses Mal konnten Jan und ich nicht mit den anderen Abgeordneten im Plenum sitzen wie beim AK zuvor, sondern mussten vom Rand aus zusehen. 

Ich hielt nicht bis zum Schluss durch und war nach ca. 3 Stunden, gegen 17:00 Uhr, wieder zurück im Büro. Jan war schon vor mir gegangen.

Mittwoch, der 19.10.2016

Kurz nachdem ich im Büro angekommen war, machte ich mich auf den Weg zum Besuchereingang, um einen Journalisten abzuholen, der ein Gespräch mit Andrej hatte. Auch dies gehörte zu meinen steten Aufgaben: Die angemeldeten Besucher am Besuchereingang abholen und ins Büro bringen. Anfangs war das noch kompliziert, da mein Orientierungssinn nicht gerade hilfreich war im riesigen Bundestag. Doch die Besucher waren trotzdem immer dankbar, dass sie abgeholt wurden, denn ich erhielt oft die Rückmeldung, dass sie das Büro allein wohl nie gefunden hätten. Dann doch lieber auf kleinen Umwegen mit der Praktikantin… 

Nachdem Andrej sein Gespräch mit dem Journalisten beendet hatte, machten wir uns, zusammen mit Jan, zum Berichterstatter-Gespräch des EU-Ausschusses über den Brexit im Paul-Löbe-Haus auf. Dieses fand in einem der Ausschuss-Säle statt. Dabei saßen die Mitarbeiter der MdBs in der zweiten Reihe, während die Abgeordneten diskutierten und sich berieten. Auf dem Rückweg erläuterte mir Andrej noch einmal den Zweck dieses Gesprächs. Ein Vertreter des Außenministeriums unterrichtete die anwesenden Abgeordneten aller Fraktionen über die Auswirkungen des Brexit und die weitere Vorgehensweise der Bundesregierung und was zu erwarten wäre. So sollen die Abgeordneten einen aktuellen Überblick erhalten und Fragen an die Bundesregierung stellen können.

Donnerstag, der 20.10.2016

Als ich im Büro ankam, warf ich erst einmal einen Blick auf Andrejs Terminkalender, der, wie immer, sehr voll war. Das bedeutete automatisch, dass mein Tag wohl auch etwas stressiger zugehen würde, als die vorherigen. Diese Vermutung sollte sich bewahrheiten, als ich später am Tag von einem Termin zum nächsten hetzte. Doch noch war alles ruhig, für mich jedenfalls. Andrej hatte schon alle Hände voll zu tun. Ich machte mich gegen 13:00 Uhr zum Plenarsaal des Bundestages auf, wo ich mir eine Aktuelle Stunde zum Thema CETA ansah. Es war sehr spannend einmal hautnah von der Besuchertribüne aus, den Abgeordneten bei ihren Debatten lauschen zu können und ihre Schlagabtausche mit zu verfolgen. Ich sah auch einige bedeutende Persönlichkeiten, so zum Beispiel Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Herrn Steinmeier (meine ich jedenfalls, er saß dann doch etwas zu weit weg…) Obwohl ich gerne noch länger geblieben wäre, musste ich mich auf den Weg zum nächsten Termin machen: Eine Besprechung des Arbeitskreises VI, wo ich einen unseren wissenschaftlichen Mitarbeiter, Matthias, vertrat. Er handelte von den geplanten Aktivitäten des AK zum bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg. Dort anwesend waren auch die zwei Bundestagsabgeordneten Heike Hänsel und Wolfgang Gehrcke. Ich machte mir eifrig Notizen für meinen Bericht, den ich dann später, als ich wieder im Büro war, schrieb. 

Freitag, der 21.10.16

Heute war schon der letzte Tag meines zweiwöchigen Praktikums. Und er startete sehr spannend. Ich ging nicht direkt ins Büro, sondern in den Plenarsaal des Bundestages, wo ich mir eine Debatte und Abstimmung über die Reform des BND-Gesetzes ansah. Auch diese war sehr unterhaltsam und spannend anzusehen, vor allem, als es dann zur Abstimmung kam, bei welcher die Abgeordneten zuerst mit Handzeichen ihre Position zu verstehen gaben und dann mit Aufstehen. Das Gesetz wurde mit einer Mehrheit der großen Koalition angenommen … Danach machte ich mich wieder auf den Weg ins Büro. 

Ich war gegen Ende des Tages überrascht, wie schnell die Zeit hier in der Hauptstadt vergangen war. Doch so schnell mein Praktikum auch zu Ende gegangen sein mag, desto mehr habe ich hier gelernt, was ich auf jeden Fall so schnell nicht vergessen werde … :) 

Das liegt vor allem auch an dem super Team, das mich hier aufgenommen und an dem ganzen aufregenden Trubel hat teilhaben lassen. 

Danke!

Franziska Fink (17) ist Schülerin der 11. Klasse und hat im Berliner Büro von Andrej Hunko ein zweiwöchiges Praktikum absolviert.

Andrej Hunko, MdB 2017