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Pressemitteilungen von Andrej Hunko

Französisch machen ohne Scham

Die französische Bevölkerung protestiert gegen die geplanten Rentenkürzungen. Dazu erklären die Europapolitiker Andrej Hunko und Diether Dehm:

„Wir wünschen den Protestierenden in Frankreich viel Erfolg beim Kampf gegen das Rentenkürzungsprogramm der Regierung Sarkozy. Der außerparlamentarische Druck ist riesig. Schüler/innen und Student/innen lassen sich nicht gegen die Älteren ausspielen und beteiligen sich an den Massendemonstrationen.

Die Gewerkschaften rufen zu Recht zum politischen Streik auf: Die legitime Bestreikung und Blockade von Raffinerien und Treibstofflagern wird von der Regierung mit Drohungen und Gewalt beantwortet. Noch ist sie nicht bereit auch nur über Änderungen zu verhandeln. Sarkozy möchte wohl nach Vorbild Thatchers die Macht der Gewerkschaften auf Jahre brechen.

Eigentlich müssten in Deutschland alle, die soziale Gerechtigkeit auf Plakate schreiben, vor Scham rot anlaufen.

Zuallererst wir selbst: DIE LINKE ist zwar parlamentarisch mit 12% stärker als die französische Linke, hat aber noch keinen Bruchteil der außerparlamentarischen Mobilisierung gegen die Rentenkürzung  und das unsoziale Kürzungspaket hinbekommen. Unseren Leuten rufen wir zu: Versuchen wirs mal französisch!

Ebenso manche Einzel-Gewerkschaften, die bislang nichts unternommen haben, damit auch unser Herbst heiß wird. Die französischen Gewerkschaften legen beim Renteneinstieg ab 62 das Land lahm - wir lahmen noch "ab 67"!

Besonders SPD und Grüne sollten sich schämen: Sie haben bei uns die Rente ab 67 eingeführt, spielen in der Opposition das Chamäleon und bauen auf kollektive Amnesie.

Zu viele Rentner/innen, Hartz-IV-Empfänger/innen, Schüler/innen, Studierende und Arbeiter/innen lassen sich gegen einander ausspielen und gehen politisch nur zum Wählen vor die Türe.

Aber wie lange noch? Wann weht der freie Geist aus Frankreich herüber?

Ernst Bloch sagte einst, die Franzosen seien frecher und freier als die deutschen, weil sie den Kopf eines Königs haben rollen gesehen. Wollen wir es dabei belassen?“

Andrej Hunko, MdB 2017