Hungersnot in der Ukraine nicht instrumentalisieren

Rede von Andrej Hunko in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 28.04.2010 im Namen der Fraktion "Vereinte Europäische Linke"

Danke, Herr Präsident!
Meine Damen und Herren,

Ich danke auch dem Berichterstatter für diesen wichtigen Bericht.

Große historische Tragödien und Menschheitsverbrechen der Vergangenheit dienen oftmals Instrument für politische Auseinandersetzungen der Gegenwart. Dies gilt auch für die Auseinandersetzung mit der Hungersnot in der Ukraine, über die wir heute diskutieren. Diese Instrumentalisierung für Interessen der Gegenwart sollten wir ablehnen, wenn wir den Opfern gerecht werden wollen.

Ich sage dies auch als Nachkomme einer Familie, die zum großen Teil in dieser Hungersnot ums Leben kam. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Worte zu finden, um Proportionen richtig darzustellen, und der Bericht leistet das in Bezug auf das Verhältnis zwischen Russland und Ukraine.

Instrumentalisierungen neigen dazu, Tragödien aus ihrem historischen Kontext zu lösen. Die Hungersnot in der Ukraine ist eine Folge der brutalen Industrialisierungspolitik und der Zwangskollektivierung Stalins. Sie hatte auch eine politische Komponente. Sie war aber kein Genozid, und sie ist auch nicht vergleichbar mit dem Holocaust.

Die russische Revolution war ein Versuch, aus dem Ersten Weltkrieg, der Unterdrückung und der Ausbeutung unter dem Zarismus auszusteigen. Diese Hoffnungen sind tragisch gescheitert. Das daraus entstandene brutale Regime kann ich nicht als kommunistisch anerkennen, wie es der Bericht mit dem Begriff „totalitäre kommunistische Regime“ leider nahe legt.

Ich begrüße es, dass der Bericht relativ ausgewogen ist und nationalistischen Instrumentalisierungsversuchen enge Grenzen setzt. Ich begrüße auch die Haltung des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch, der gestern hier eine sehr ausgewogene Position darlegte.

Wir brauchen das Gedenken an alle Opfer und ihre Anerkennung, in der sich alle wiederfinden können. Bildung heißt auch die Fähigkeit, die Welt durch die Augen eines anderen sehen zu können. In diesem Sinne brauchen wir auch mehr Bildung, sonst werden weitere Tragödien unvermeidbar sein.

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