Welche EU-Mitgliedstaaten kooperieren nach Kenntnis der Bundesregierung in bereits existierenden oder im Aufbau befindlichen Zentren für die Zusammenarbeit von Polizei und Zoll miteinander, die unter anderem nach deutschem Vorbild und mit Unterstützung der EU-Kommission errichtet werden (bitte die jeweilige Einrichtung, ihren Ort und die Polizeiund Zollbehörden der beteiligten Staaten nennen), und welche näheren Ausführungen kann die Bundesregierung über Planungen eines derartigen trilateralen Zentrums in der Grenzregion Bulgarien/Griechenland/Türkei machen, das womöglich in Kooperation oder sogar mit direkter Beteiligung der EU-Agenturen Frontex und Europol entstehen soll?
Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner vom 18. Mai 2012:
Der Bundesregierung sind folgende Gemeinsame Zentren der Polizei-und Zollzusammenarbeit bekannt, an denen EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind:
• Artand (Rumänien/Ungarn),
• Barwinek (Polen/Slowakei),
• Basel (Frankreich/Schweiz),
• Budzisko (Litauen/Polen),
• Canfranc (Frankreich/Spanien),
• Castro Marim (Portugal/Spanien),
• Caya (Portugal/Spanien),
• Chiasso (Italien/Schweiz),
• Chotebuz (Polen/Tschechien),
• Cunovo (Slowakei/Ungarn),
• Darmoty (Slowakei/Ungarn),
• Dolga Vas (Österreich/Slowenien/Ungarn),
• Drasenhofen (Österreich/Tschechien),
• Genf (Frankreich/Schweiz),
• Heerlen (Belgien/Niederlande),
• Hendaye (Frankreich/Spanien),
• Jarovce (Österreich/Slowakei),
• Kalviu (Lettland/Litauen),
• Kehl (Deutschland/Frankreich; beteiligte Behörden: Bundespolizei, Bundeszollverwaltung und Landespolizei Baden-Württemberg auf deutscher Seite, Nationalpolizei, Gendarmerie und Zoll auf
französischer Seite),
• Kiszombor (Rumänien/Ungarn),
• Kudowa (Polen/Tschechien),
• Luxemburg-Stadt (Belgien/Deutschland/Frankreich/Luxemburg; beteiligte Behörden: Bundespolizei, örtliche Polizei sowie Zollund Akzisenverwaltung auf belgischer Seite, Bundespolizei, Bundeszollverwaltung
sowie Landespolizeien Rheinland-Pfalz und Saarland auf deutscher Seite, Nationalpolizei, Gendarmerie sowie Zoll auf französischer Seite, Großherzogliche Polizei sowie Zollund Akzisenverwaltung auf luxemburgischer Seite),
• Melles Pont du Roy (Frankreich/Spanien),
• Modane (Frankreich/Italien),
• Nickelsdorf (Österreich/Ungarn),
• Padborg (Dänemark/Deutschland; beteiligte Behörden: Polizei und Zoll auf dänischer Seite, Bundespolizei, Bundeszollverwaltung und Landespolizei Schleswig-Holstein auf deutscher Seite),
• Perthus (Frankreich/Spanien),
• Petrovice/Schwandorf (Deutschland/Tschechien; beteiligte Behörden: Bundespolizei, Bundeszollverwaltung sowie Landespolizeien Bayern und Sachsen auf deutscher Seite, Polizei und Zoll auf
tschechischer Seite),
• Quintanilha (Portugal/Spanien),
• Sátoraljaújhely (Slowakei/Ungarn),
• Schaanwald (Liechtenstein/Österreich/Schweiz),
• Swiecko (Deutschland/Polen; beteiligte Behörden: Bundespolizei, Bundeszollverwaltung sowie Landespolizeien Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen auf deutscher Seite, Polizei, Grenzschutz und Zoll auf polnischer Seite),
• Thörl-Maglern (Italien/Österreich/Slowenien),
• Tournai (Belgien/Frankreich),
• Trstena (Polen/Slowakei),
• Tuy (Portugal/Spanien),
• Ventimiglia (Frankreich/Italien) und
• Vilar Formoso (Portugal/Spanien).
In der vorstehenden Liste sind jeweils der Ort der Einrichtung angegeben sowie ergänzend in Klammern die beteiligten Staaten und, soweit bekannt, die beteiligten Polizei- und Zollbehörden.
Der Bundesregierung ist bekannt, dass zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei Verhandlungen über die Einrichtung einer trilateralen Kontaktdienststelle im bulgarisch-griechisch-türkischen Grenzraum geführt werden. Bulgarien und Griechenland haben der Türkei hierzu im April 2011 den Entwurf eines Abkommens zugleitet. Die Türkei prüft den Entwurf derzeit noch. Über eine Kooperation einer solchen möglichen zukünftigen Kontaktienststelle mit Frontex oder Europol oder deren Beteiligung an einer solchen Stelle ist der Bundesregierung nichts bekannt.
Drucksache 17/9678